Flößen

Fler

Die jahrhundertealte Tradition des Flößens können Sie bei uns im Drautal noch hautnah miterleben – sei es direkt bei einer Floßfahrt oder im Rahmen der alljährlich im August stattfindenden Oberdrautaler Flößertage.

Wissenswertes zur Geschichte der Flößerei

Welche Transportmöglichkeiten in fließenden Gewässern gab es?

In den Oberläufen der Flüsse, wo das Fahren mit einem Floß bzw. mit einer Plätte (flaches Boot) nicht möglich war, wurde das abgelängte Rundholz (ca. 4,30 m) gedriftet, d. h. Stück für Stück in den Fluss geworfen und sich selbst überlassen. In den Seitenbächen wurden sehr viele Holzscheite (ca. 1 m lang) für die Holzkohlenerzeugung – oft auch mit Schwellbetrieb – gedriftet.

Wo wurde in Kärnten geflößt?

Auf der Drau von Oberdrauburg bis Lavamünd und weiter.

Einteilung der Draustrecken in Kärnten: Von Oberdrauburg bis zur Gailmündung bei Villach sprach man von der oberen Drau (auf der Gail wurde nicht geflößt, wohl aber im Lesachtal gedriftet). Von der Gailmündung abwärts wurde die Strecke als untere Drau bezeichnet. Geflößt wurde auch auf der Möll von Flattach abwärts. Oberhalb von Flattach wurde auch gedriftet.

Wie kann man sich ein Drau- oder Möllfloß vostellen?

Im Oberkärntner Raum wurden fast nur Rundhölzer geflößt, entweder als Sägeholz für die Erzeugung von Schnittware (in erster Linie Bretter) und auch für die Erzeugung von Pappe. Diese Rundhölzer bezeichnete man als Schleifholz oder Industrieholz. Die Hölzer hatten einen geringen Durchmesser.

Vorgangsweise beim Floßbau

Das einzige Element waren Rundhölzer (vornehmlich Fichten und Tannen) mit einer Länge von ca. 4,30 Metern. Der erste Schritt war der Bau des Floßbodens, der aus 3 oder 4 Tafeln oder Stößen bestand, die je 4,30 Meter im Quadrat an Größe hatten. In Flussrichtung wurden 4,30 Meter lange Hölzer solange nebeneinander gereiht, bis die Breite von ca. 4,30 Metern erreicht war. Das war dann eine Tafel, auch Stoß genannt. Die Arbeit wiederholte sich drei- bis viermal, sodass letztendlich ein drei- oder auch vierstößiger Floßboden entstand. Natürlich mussten all diese Stämme und auch die Stöße untereinander verbunden werden, damit ein kompaktes Floß entstand, das dann zum Abtransport flusstauglich war.

Zum Einbinden der einzelnen Rundhölzer verwendete man gedrehte Haselstaudenhölzer und kleine Eisenklammern. Durch das Drehen der Haselstöcke (auch Fichtenzweige kann man verwenden) entsteht eine unglaubliche Reißfestigkeit und das ganze Floß bleibt in Fahrt trotzdem flexibel, sodass gewisse Stoßeinwirkungen, verursacht durch das Wasser, abgefangen werden konnten.

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Auf den hinteren Floßböden wurde zusätzlich Rundholz aufgeladen, um mehr Holz auf einmal zu transportieren (ca. 30-40 m³).

Für die Steuerung wurden vorne und hinten Ruder angebracht. Beim Draufloß brauchte man vorne zwei (eines als Reserve) und hinten nur ein Ruder. Aus Kostengründen reichten zwei Flößer aus, wobei der vordere, der Floßführer, die Richtung bestimmte (bei einem Schiff ist das Steuerruder hinten) und der hintere Flößer das Floß wieder gerade stellte. Gefährlich beim Flößen waren spitze Felsen im Flussbereich, die engen Brückentore der Holzbrücken, die Flusskurven und die vielen Sandbänke, denn vor dem Eisenbahnbau war die Drau im heutigen Erscheinungsbild nicht mit Steinwürfen verbaut.

Die Eisenbahn von Villach über Spittal, Lienz, Innichen und Bruneck bis Franzensfeste wurde im Jahr 1871 fertiggestellt. Die Voraussetzung für den Bahnbau war die Drauregulierung, damit ein stabiles Flussbett entstehen konnte. Die Drau führt ja nicht selten Hochwasser. Wegen der vielen Hindernisse und der sehr unterschiedlichen Wasserstände im Laufe eines Jahres konnte nur während der Zeit von vier Monaten geflößt werden.

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Flößertage 2015: 14. – 16. August